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GelöbNix

Stuttgart. Nach elf Jahren hat die Bundeswehr in Stuttgart ein öffentliches Gelöbnis gehalten. Den öffentlichen Platz des Schlossinnenhofes durften nur geladene Gäste -wie Familie- betreten. Manch einer war sicherlich gerührt, seine Tochter oder Sohn in Uniform zu sehen, zu hören wie sie oder er, gelobt das “deutsche Vaterland” zu verteidigen. Große Reden wurden geschwungen, allen voran Ministerpräsident Mappus: “Die Demokratie, die ihnen das Radaumachen und Demonstrieren überhaupt ermöglicht, wird von denen verteidigt, die heute in diesen Ehrenhof angetreten sind.”
“Ihnen”, das waren unter anderem wir -die GRÜNE JUGEND BaWü. Das “Radaumachen”, das waren die Trommeln, die Pfiffe, die Worte “Kein Werben fürs Sterben, Soldaten sind Mörder!” von Menschen, die kein öffentliches Gelöbnis in ihrer Stadt hören wollten. “Geht doch in die Kaserne!” hörte man hier und dort.
Bleibt noch ein letztes: “verteidigen”, ja aber gegen wen? Droht uns hier in Europa ein erneuter Weltkrieg?
Wer Protest als “Radaumachen” bezeichnet; die Demokratie mit Waffengewalt verteidigen möchte gegen die nichtvorhandene Bedrohung und vorallem, wie Herr Mappus, ein Ministerpräsident nicht für alle sein will und das Grußwort auf anderen Veranstaltungen verweigert -ist der nicht selbst Angreifer unserer Demokratie? Lassen wir das offen.
Nach lauten Pfiffen, Trommelschlägen für die Rekruten, die aus der Kirche kamen, war es uns möglich in den abgesperrten Bereich zu kommen. Dieser Bereich ist für alle, die etwas näher dran sein wollen am Geschehen, zugänglich -natürlich ohne Waffen oder einer höchstgefährlichen “Peace”-Fahne! Ganz drin waren nicht, denn der Bereich wiederum war für Familien, hochrangigen Politikern, usw. gedacht.
Als wir laut darüber diskutierten, warum die Rekruten freiwillig ihre Individualität aufgeben; ob die mit den blauen Mützen Schwimmer sind und die mit den Roten, die Nichtschwimmer, retten müssten; kamen auf uns drei verschüchterte Jugendliche nichtsahnend die schwerbewaffnete Polizei, mit Schusssicherenwesten auf uns zu. Fünf Mann waren dafür nötig! Man nahm unsere Personalien auf und gab uns einen Platzverweis -die Begründung war eine Trillerpfeife, die wir einfach in der Hand hielten. Nach einer kleinen Tanzeinlage, während die Personalien aufgenommen wurden, wurden wir hinausbegleitet -zu dritt von fünf schwer bewaffneten Polizisten! Was für ein Polizeiaufgebot, was für eine Steuerverschwendung! Wie viel es Stuttgart gekostet hat, nur um ein öffentliches Gelöbnis zu halten, wollen wir gar nicht wissen.
Auf dem Schlossplatz waren wir doch jedoch nicht allein, die FDP hielt ihre Schilder “Danke Soldaten!” hoch. Gut gekontert wurde dann mit “Vier Prozent!”, als es aber dann zu körperlichen Gewalt gegen die FDPler kam, setzten wir uns als GRÜNE JUGEND ganz tapfer für sie ein: “Keine Gewalt gegen Minderheiten!”
Anschließend begab man sich auf zur Kundgebung.
Und Kräfte tanken mit Falafeln ;)

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